Digital workplace – von Frust und Freude

Das Wohl und Wehe des digitalen Wandels ist stark von psychologischen Faktoren in den Unternehmen abhängig. Doch wie stellt sich die „Seelenlage“ der Erwerbstätigen in Deutschland in Hinblick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt dar?

Hier unsere ersten Resultate und Trends aus mehreren Umfragen auf der Marktforschungs-Plattform Civey.

Wie erleben Mitarbeiter den digitalen Wandel? Es sind die vor allem Berufserfahrene der Alterskohorten von 30 bis 39 Jahren, die der digitalen Veränderung ihres Arbeitsplatzes mit freudiger Erwartung entgegensehen (29,6 % ggü. 21,0 % im allgemeinen Durchschnitt).

Diese Freude geht mit einer guten Portion Unsicherheit einher (19,2 %). Negative Gefühle wie Sorge, Frust oder gar Angst (3,8 %) rangierten bei knapp 7.000 Teilnehmern der von Fink & Fuchs initiierten Umfrage jedoch abgeschlagen auf den hinteren Rängen (Stand Mitte Juli 2019). Tendenziell scheinen die Vorbehalte bei Beschäftigten 40+ etwas größer zu sein.

Die größte Freude kommt also nicht bei den jüngsten Arbeitnehmern auf (18 bis 29 Jahre). Deren Erwartungen an digitales Arbeiten und digitale Workflows sind offenbar überdurchschnittlich hoch, weshalb sie auch am stärksten mit der betrieblichen Realität hadern. Marktforscher von YouGov befragten im Mai 2019 dazu 1.000 Berufstätige in Deutschland. Demnach erkennen 40 % der 18- bis 24-jährigen einen großen Modernisierungsbedarf am Arbeitsplatz – bei den über 55-jährigen sind es weniger als halb so viele. Gerade Berufseinsteiger wünschen sich denselben unkomplizierten Zugriff auf Social Media, Messenger-Dienste und Apps, den sie aus dem privaten Bereich gewohnt sind.

In der Tat fällt der Realitätscheck durchwachsen aus. Mit digitalen, kollaborativen Tools (etwa Skype oder Google Docs) arbeiten von den knapp 4.000 Teilnehmern einer weiteren Umfrage auf Civey nur 19,0 % ‚sehr häufig‘. Für die klare Mehrheit gehören digitale Arbeitsmittel nicht zur Routine. Mehr noch: 43,2% hatten daran auch gar kein Interesse – und 7,1 % davon sogar  noch nie etwas gehört (Stand 2018).

Eine weitere Erhebung fragte nach den größte Vorteilen eines digitalen Arbeitsplatzes. Knapp 22.000 Teilnehmer lieferten ein klares Ergebnis: Örtliche und zeitliche Flexibilität noch vor selbstbestimmtem Arbeiten sowie dem Gewinn an Schnelligkeit und Effektivität. Dabei stand Selbstbestimmung vor allem bei Beschäftigten 50+ hoch im Kurs. (siehe auch unser Beitrag: Arbeit 4.0 – Was die Deutschen denken)

 

Was wünschen sich die Erwerbstätigen in Deutschland von einen digitalen Arbeitsplatz? Auch hier antworteten die bislang rund 17.000 Teilnehmer auf Civey mit großem Abstand: Zeitliche Flexibilität (40,5 %). Dagegen stehen virtuelle Teamarbeit (5,7 %) und virtuelle Assistenten (3,9 %) am seltensten auf dem Wunschzettel. „Mehr Assistenz“ erwarten am häufigsten übrigens nicht Arbeitnehmer 50+ , sondern die 30- bis 39-jährigen. Also jene, die den digitalen Veränderungen der Arbeitswelt mit besonderer Freude entgegenblicken.

Weitere Antworten auf die Frage: Wie erleben Mitarbeiter den digitalen Wandel?

2019-07-26T15:16:19+00:00