Humanizing Robots – KI mit Gefühl

‚Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt‘. Ein Klassiker der Personalmarketing-Lyrik. Wie viele Arbeitgeber beschwören oder behaupten dies – und delegieren das Thema an ihre Experten fürs Menschliche, die Personaler.

Sie sind die ersten, die Bewerber persönlich kennenlernen. Sie kümmern sich um die Belange der Mitarbieter genauso wie um die Personalstrategie. Und sie wissen, wie die Belegschaft tickt. Welcher Arbeitgeber könnte auf die Kompetenz seiner Personaler verzichten?

Kaum einer – noch. Denn am Horizont erscheint die Möglichkeit, dass HR nicht unersetzlich ist. Was in den klassischen Verwaltungsfunktionen begonnen hat, zieht – von der Digitalisierung getrieben – immer weitere Kreise.

HR ist in seiner Mittler- und Querschnittsfunktion herausgefordert, denn die Organisationen verändern sich grundlegend. Von zentral zu dezentral, von vertikal und horizontal, von prozesshaft zu agil, von geschlossen zu offen, von linear zu vernetzt und selbstorganisiert. Dabei reden wir noch nicht einmal von Kooperationsformen wie Click- und Crowdworking.

Keine SciFi mehr: Digitaler Takeover der HR-Kernkompetenz

Darüber hinaus dringt die Digitalisierung dank Big Data und Künstlicher Intelligenz unmittelbar in die ureigene Domäne der HR ein – unterstützend, potenziell aber auch autonom. Chat-Bots waren nur der Anfang, die Entwicklung ist längst weiter.

Gefühle zu verstehen, Mimik, Köpersprache, Stimme und Stimmungen treffend zu interpretieren, auf das Gegenüber empathisch einzugehen, all dies war der zwischenmenschlichen Kommunikation vorbehalten. Die feinen Unterschiede markierten bislang die Grenze zur künstlichen Intelligenz. Affective Computing verwischt diese Grenze.

Neue Programme lesen aus Signalen, Messdaten und „Beobachtungen“ nicht nur Muster heraus. Sie interpretieren sie auch immer zutreffender und passen ihre Outputs darauf an. Entsprechend „emotional“ können sie interagieren und wirken dadurch „menschlicher“.

Nicht echt, aber wirkungsvoll – „Gefühle“ im Affective Computing

Hochgezogene Augenbrauen zum Beispiel können vieles bedeuten. Erstaunen oder Erschrecken. Beides verlangt eine spezifische  Antwort. Die Reaktionen darauf fallen wiederum individuell verschieden aus. Es ist ein komplexes Wechselspiel mit vielen Variablen. Doch die „Missverständnisse“ zwischen Mensch und Maschine nehmen ab, je mehr Kontextinformationen einbezogen werden. Genau das leistet Affecitve Computing.

Bewerberungsgespräche sind eine sensible Mission. Deshalb werden sie bislang psychologisch versierten Personalern anvertraut. In absehbarer Zukunft könnten dies auch Avatare übernehmen. Vorbei die Zeiten, als unsensible Avatare sensible User gegen sich aufgebrachten. Realer Fall: Ein Avatar ist deshalb nebst Monitor kurzerhand aus dem Fenster geworfen worden.

Maschine und Mensch: Man versteht sich

Die virtuellen Gesprächspartner haben eine Engelsgeduld, sind frei von Empfindlichkeiten und inzwischen auch sozial kompatibel. Sie erschließen sich immer neue Anwendungsgebiete, etwa iim Pflegebereich. Zumal die Akzeptanz stetig zunimmt. Digitalaffine Bewerber und Mitarbeiter haben schon heute keine Hemmschwelle im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Für sie muss sie auch nicht in anthropomorpher Gestalt auftreten wie etwa die niedlichen Blechbutler.

Ganz neu allerdings ist die Vorstellung nicht. Bordcomputer HAL 9000 aus Stanley Kubricks 1968 gedrehten Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“ sah so wenig humanoid aus wie Alexa, Siri & Co.. Eher wie eine Rotlicht-Wärmelampe mit Spannunsschwankungen. Dennoch wirkte er damals schon allzu menschlich – und Menschen gegenüber am Ende nicht sonderlich verständnisvoll.  Aber wer kann schon behaupten, die Menschen vollständig zu verstehen?

2018-10-01T09:56:55+00:00